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2011


Zum Auftakt des neuen Jahres bespielte Rolf Giegold (*1970), Eberhard-Roters-Preisträger für junge Künstler 2006, bereits zum dritten Mal die Räume der EMERSON Gallery Berlin mit seiner Ausstellung "Außer Betrieb". Er präsentierte eine Reihe neuer Arbeiten, bei denen die Funktion des Werkes im Fokus stand und die eigens für die Räume der Galerie konzipiert wurden.
Ausgangspunkt waren dabei folgende Gedanken:
„Kann ein Kunstwerk „außer Betrieb“ sein? In heutiger Zeit - kein Problem, mag man glauben. In Museen und Ausstellungen kann es schon passieren, dass dem Besucher der schwarze Bildschirm einer Videoarbeit begegnet, ebenso der stumm bleibende Lautsprecher einer Klanginstallation oder die defekte Neonröhre einer Lichtskulptur. Aber ist deswegen immer das Werk selbst „außer Betrieb“ oder ist es nur seine ‚hardware’? Funktioniert die Rezeption eines Kunstwerks im 'Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit’ nicht längst auch über die Vermittlung seiner konzeptuellen Erscheinung?“
Hauptwerk der Ausstellung war eine Lichtinstallation im vorderen Ausstellungsraum, bestehend aus einem Ensemble großer Leuchtkästen, die ehemals als Werbeträger dienten. Der Künstler formierte die aus ihrem Nutzungszusammenhang entfernten Ready-mades zu bewusst arrangierten Objekten im Kontext der Galerie. Für die Betrachter enstand dabei eine offene, uneindeutige Situation, in der die Frage nach der Funktion von Kunst aufgeworfen wurde. Darüber hinaus wurde die Rolle der Werbung in unserer Informations- und Kosumgesellschaft kritisch thematisiert.

Rolf Giegold bespielte auch in einer one-artist-show die Koje auf der Kunstmesse Art Karlsruhe vom 10.-13. März, an der die EGB teilnahm.

Danach zeigte Heike Ruschmeyer ihre bereits dritte Einzelausstellung in der EMERSON Gallery Berlin mit dem Titel „Dunkel“. Kaum einer Künstlerin gelingt es, die Vielschichtigkeit des Wortes „Dunkel“ so offenbar zu machen, wie ihr. „Dunkel“ meint in der deutschen Sprache nicht nur das rein optische Phänomen, sondern eine Vielzahl von anderen sinnlichen Wahrnehmungen. Man spricht von „dunklen“ Ahnungen, wenn man unbestimmt meint, von einer „dunklen“ Stimme, wenn sie tief klingt und von einer „dunklen“ Gestalt, wenn sie verdächtig oder auch zwielichtig erscheint. Alles dies ist auf die Bilder der Ausstellung von Heike Ruschmeyer anwendbar und klingt darin an.

Vieles bleibt im „Dunklen“ in den schwarz-weißen Gemälden von Toten durch Gewalt oder bei den lebend dargestellten, dezent kolorierten Bildnissen aus Familienalben. Deutlich sichtbar  hingegen ist die physische Vielschichtigkeit des Malprozesses. Einzeln gemalte Farbschichten oder auch das Raster, das Ruschmeyer als Gerüst den Bildern zugrunde legt, bleiben sichtbar. Auf diese Art und Weise zeigt die Künstlerin etwas auf, was wir üblicherweise vielleicht nicht sehen wollen. Das Bloßlegen der Vorgehensweise geschieht gewissermaßen analog zum Bloßlegen von Machtverhältnissen. Heike Ruschmeyer zwingt uns zum Hinsehen und zur Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt in unserer Gesellschaft. Durch den gezielten Einsatz der Mittel der Malerei führt sie den Betrachter zum eigentlichen Kern der Bildaussage: Die Gegenüberstellung zweier Bildthemen, der Toten und der Lebendigen, macht deutlich wie eng Form und Inhalt, Maltechnik und Motiv der Bilder miteinander verbunden sind.

 

Zu Beginn des Sommers war die Fluxusikone Ben Patterson erneut zu Gast in der EMERSON Gallery Berlin. Der Titel der zweiten Einzelausstellung lautete “My Thirteen Presidents and Other Curiosities“. Seine „thirteen Presidents“ der Vereinigten Staaten sind als eine Chronik seiner persönlichen Geschichte, wie auch in zweiter Linie als politische Orientierung zu verstehen.

In Pattersons Assemblagen – etwa 3-dimensionale Collagen – zeigt sich seine Begabung, Gegensätze zu versöhnen. Auf den ersten Blick begegnen dem Betrachter Fundobjekte, die bei genauerem Hinsehen erkennen lassen, dass sie ganz sorgfältig ausgesucht wurden. Gleichsam hingetupfte Heiterkeiten haben bei ihm fast immer einen Doppelsinn. Sie sind also doppeldeutige Weissheiten, die als prägnante und sozialkritische Statements zu verstehen sind. Mit postmoderner Ironie überschreitet der 77jährige, in Wiesbaden lebende Amerikaner Grenzen, wie auch Generationen, in einem Kunstbereich zwischen Dada, Pop Art und Multikulti-Selbstinszenierungen.

Die australische Klangkünstlerin Catherine Clover (* 1963 in London) präsentierte  im Intermezzo XVI unter dem Titel „birdbrain“ ihre gleichnamige Rauminstalltion in der EMERSON Gallery Berlin.
Mit Vogelstimmen aus dem städtischen Umfeld erschuf Clover in „birdbrain“ ein Klang-Environment und ließ Krähen und Möwen mit andersartigen urbanen Geräuschen in einen Dialog treten. So entstand ein Gesamtkunstwerk als audiovisuelle Installation mit Vogelmimikry, Feldaufnahmen, gesprochenen und geschriebenen Texten und einem Künstlerbuch.
Catherine Clover definierte in diesem Werk die Beziehung zwischen Stimme, Sprache und urbanen Geräuschen, also zwischen Tier, Mensch und Umwelt neu. Sie analysierte wie eine Forscherin Wege und Möglichkeiten des Austausches und ließ dabei dem Betrachter viel Raum für eigene Gedanken und Interpretationen.
In der gegenwärtigen postmodernen Informationsgesellschaft hält Catherine Clover die Betrachter zur Ernsthaftigkeit im Umgang mit der Natur an und auch dazu, soziale Beziehungen generell zu hinterfragen. Sie regt den Betrachter im wahrsten Sinne des Wortes dazu an, in Ruhe zu beobachten und nachzudenken. Die Ausstellung war somit auch eine Huldigung an die Stille.

Bereits zum 6. Mal veranstaltete die EMERSON Gallery Berlin das SOMMERFESTIVAL DER INTERNATIONALEN KUNST. Diesmal unter dem Titel: Mexiko trifft Berlin. Mexiko - ein Land im Ausnahmezustand - vermittelnd zwischen der ersten Welt im Norden und der dritten Welt im Süden, mit der Hauptstadt Mexiko-City und den 20 Millionen Einwohnern bringt in der Phase der Globalisierung neue Strategien zeitgenössischer Kunst hervor. Wir zeigen daher fünf künstlerische Positionen aus Mexiko, die auf ganz unterschiedliche Art und Weise Facetten der heutigen mexikanischen Gesellschaft reflektieren.
Die Künstler Iván Abreu (Video, Zeichnung, Performance), Vanessa Farfán (Malerei, Installation), Lucero Hernández (Installation, Performance), Marisa Polin (Malerei) und Heriberto Quesnel (Malerei, Collage) setzen sich mit den aktuellen Ereignissen in ganz verschiedenen künstlerischen Medien und Genres auseinander. Malerei, Collagen, Video und Fotografie sind genauso in der Ausstellung vertreten wie Installationen und Klangkunst. Einige der Arbeiten evozieren unmittelbar Bezüge zu dem umgreifenden Drogenkrieg. Die Künstlerin Vanessa Farfán zum Beispiel lässt weißes Baby-Puder auf einem Spiegel durch einen rotierenden Kreisel aufwirbeln. Andere Künstler der Gruppe spielen subtiler auf die gegenwärtige Situation an. So etwa Lucero Hernández’ Votivgaben in Form von nachgebildeten Körperfragmenten, die sich auf die sogenannten „Frauenmorde von Ciudad Juárez“ beziehen. Eine seit 1993 andauernde Mordserie in der nordmexikanischen Grenzstadt Ciudad Juárez, die bisher weitgehend unaufgeklärt blieb. Die Ausstellung vermittelt insgesamt den Eindruck einer Gesellschaft, die sich im Wandel, ja im radikalen Umbruch befindet, mit all seinen dadurch ausgelösten Gefühlen wie Angst, Wut und Zweifel, aber auch durch die etwas zarter durchscheinenden Hoffnungen. Zur Eröffnung der Ausstellung zeigte die Kuratorin der Ausstellung, Vanessa Farfán eine Performance.
Zur Ausstellung erschien eine umfassende Rezension des Kunstkritikers Michael Nungesser im Kunstforum International (Bd. 211, Okt.-Nov. 2011, S. 308-309).

 

Nach acht Jahren in der Gartenstraße bezog die Emerson Gallery Berlin im Oktober 2011 neue größere Räume in Berlin-Mitte, etwas zentraler am Schiffbauerdamm 19 gelegen.
Als Vorspann und zur Einweihung für nur geladene Gäste präsentierte die EGB eine exklusive Ausstellung unter dem Motto „Women Only“: Zeichnungen und grafische Arbeiten von Barbara Fragogna (IT), Colette Murphy (USA/IE), Antje Neppach (DE), Heike Ruschmeyer (DE) und Ellen Sylvarnes (USA) wurden in den neuen Räumen in einer exklusiven Preview mit musikalischer Begleitung an zwei Tagen präsentiert.


Die Eröffnungsausstellung in den neuen Räumen präsentierte der polnische Konzeptünstler Jarosław Kozłowski in seiner dritten Einzelausstellung in der EMERSON Gallery Berlin einen umfassenden malerischen "work in progress" „Recycled News I“. Dabei handelt es sich um höchst ausdrucksvolle, mit Wasserfarbe übermalte Zeitungen, bei denen hin und wieder einzelne Worte oder Titel wie „The Mirror“, „Die Welt“ oder „Politiken“ durch die Übermalungen hindurchscheinen. Text und Bild stehen in einem diskursiven Austausch. Was auf den ersten Blick beinah dekorativ wirkt, entpuppt sich als tiefgreifendes Rätsel. Der Betrachter wird visuell nahezu überflutet und so dazu angeregt, die Beziehung zwischen Malerei und der durch die Massenmedien geprägten Realität (neu) zu betrachten. Da Kozłowski seine Karriere zunächst mit dem Studium der Malerei 1963-69 an der Staatlichen Hochschule für Bildende Kunst in Poznań begann, markiert die jetzige Ausstellung gewissermaßen auch eine Rückkehr zu seinen Wurzeln.
Mit den Arbeiten von Jarosław Kozłowski setzt die Emerson Gallery Berlin ihr international ausgerichtetes Program zur Präsentation aussagekräftiger künstlerischer Standpunkte zur Gesellschaft am neuen Standort fort.

Ende Oktober nahm die EMERSON Gallery Berlin an der Messe Art Fair Köln 2011 teil. Zum Thema „Fluxus und seine Freunde“ stellte sie drei wesentliche Vertreter und Protagonisten der Fluxusbewegung aus: Ben Patterson (USA/D) (*1934), Steingrímur Eyfjörð (IS) (*1954) und Jarosław Kozłowski (PL) (*1945). Damit richtet die EMERSON Gallery Berlin Ihren Fokus auf das 50jährige Fluxus-Jubiläum in Wiesbaden 2012. Die Künstler repräsentieren drei Generationen und verschiedene internationale Schwerpunkte von Fluxus als einer bis heute existierenden und höchst lebendigen Kunstform.

Im November schließlich stellte Frank Tornow in seiner vierten Einzelausstellung in der EMERSON Gallery Berlin den Beweis für die Vielfältigkeit und Lebendigkeit figurativer Malerei an. Seine neuen Arbeiten erinnern an Bilderrätsel im Rebus-Prinzip. Doch nur auf den ersten Blick erscheinen die Kombination von Figuren, Gegenständen, Räumen und Landschaften real, als hätte der Maler Fotografien als Vorlage benutzt. Erst nach genauerem Hinsehen merkt der Betrachter, dass die Szenen fiktional sind und ihn in die Irre geführt haben. Ob dies - unbeabsichtigt oder doch gezielt -  bleibt offen und erweist Tornows Vorliebe für das Uneindeutige.

Der eher rätselhafte als erklärende Titel der Ausstellung „Kopfbilder“ impliziert dabei zunächst einmal erdachte oder erfundene Bilder, die als „geistige“ Konstruktionen sowohl Realitäten der Abbilder (imagi) wie auch Wirklichkeitsbilder des Künstlers beinhalten. Zu sehen sind Darstellungen von Menschen, Kindern und Erwachsenen, die meist in Parallelwelten zu agieren scheinen, ohne direkt miteinander zu kommunizieren und insofern an mittelalterliche Simultandarstellungen erinnern. Überdimensionionalen Bühnenrequisiten gleich platziert der Maler Objekte im Raum, die an reale Gegenstände oder Spielzeug erinnern und den Eindruck des Surrealen verstärken. Auch die Grenzen zwischen Innen- und Außenräumen sind fließend - eben uneindeutig - so als würden alle verlässlichen Koordinaten aufgehoben.

Frank Tornows Bilder werfen somit grundsätzliche Fragen zur menschlichen Existenz und zur Rolle des Individuums in der heutigen, global agierenden Informationsgesellschaft auf. Seine Wirklichkeitsbilder erscheinen wie Synonyme der Entfremdung im digitalen Zeitalter und rufen ein Gefühl der Verunsicherung hervor. In diesen Bildwelten endet die zwanghafte Dynamik der Digitalisierung von Informations- und Kommunikationsprozessen, die zu einer Informationsexplosion geführt hat, ganz einfach im Stillstand.

 

 


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